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Dienstag, den 15. Mai 2012 um 05:32 Uhr
Wer schoß auf Bismarck?Jede Betrachtung der Wirkungsgeschichte Otto von Bismarcks enthält den Hinweis auf die beeindruckende Fülle von Zeugnissen der Verehrung für den ersten Kanzler des deutschen Nationalstaates. Gleich ob Standbild, Turm, Säule, Straße oder dergleichen mehr. Dass seine Politik stets auch auf entschiedenen Widerstand breiter Kreise der Öffentlichkeit stieß, wird dabei nur allzu häufig vergessen - von der kritischen retrospektiven Betrachtung insbesondere seiner Innenpolitik in der Gegenwart zu schweigen. Beispielhaft für die Opposition gegen Bismarck steht das erste auf ihn verübte Attentat, das sich am 7. Mai diesen Jahres zum 146ten mal jährte. Täter war Ferdinand Cohen-Blind, Stiefsohn eines 1848er-Revolutionärs. Er sah im preußischen Ministerpräsidenten Bismarck, wie viele andere Liberale, einen skrupellosen Politiker, der bewusst auf den Krieg Preußens gegen Österreich zugesteuert sei: Laut Polizeibericht feuerte der 22jährige Cohen-Blind aus einer Entfernung von zehn Schritt drei Schüsse auf den Ministerpräsidenten. Als der zunächst unverletzt gebliebene Bismarck dem Täter die Pistole entwinden wollte, traf Blind sein Opfer mit zwei weiteren Schüssen. Von Bismarck festgehalten, wurde Blind verhaftet und beging noch im Polizeipräsidium Selbstmord. Die Tatwaffe ist im Übrigen, zusammen mit dem von Bismarck an jenem 7. Mai getragenen, mit Einschussloch versehenen Unterhemd, als besondere Kuriosität im Bismarck-Museum Friedrichsruh zu sehen. Der Bayerische Rundfunk widmete diesem historischen Ereignis ein "Kalenderblatt", das Sie hier nachhören können. Etwas belletristisch angehübscht, aber doch schön erzählt, finden wir.
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Dienstag, den 08. Mai 2012 um 06:53 Uhr
Windthorst: Bismarcks kleiner großer GegnerAlle Welt redet zur Zeit über den "Alten Fritz". Der 300. Geburtstag Friedrichs II. von Preußen überlagert - wie zu erwarten - alles, was das Jahr 2012 an Gedenktagen zu bieten hat. Im Windschatten des epochalen Jubiläums wird jedoch auch des 200. Geburtstages von Ludwig Windthorst gedacht, der zu Zeiten Otto von Bismarcks als einer der bedeutendsten Parlamentarier des Deutschen Reiches galt. Der kleinwüchsige Mann aus dem Osnabrücker Land wurde während des Kulturkampfes Bismarcks gegen die Katholiken zum größten Gegenspieler des Reichskanzlers und ist doch heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Um diesen herausragenden Vertreter des deutschen Parlamentarismus zu würdigen, lädt die Otto-von-Bismarck-Stiftung herzlich zu einem Vortrag unter dem Titel "Ludwig Windthorst - Bismarcks Gegner" ein. Referent am Mittwoch, den 9. Mai 2012, 19.30 Uhr, ist der Hannoveraner Professor Dr. Hans-Georg Aschoff, einer der führender Forscher der Geschichte des politischen Katholizismus in Deutschland. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung im historischen Bahnhofsgebäude von Friedrichsruh ist frei.
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Montag, den 07. Mai 2012 um 12:03 Uhr
Einsame Männer auf einsamen Inseln oder wie Kokosnüsse in Neulauenburg zum Tod führen konnten
Zugegeben, erst wollten wir uns aus der kurz aber heftig geführten Debatte über den neuen Roman von Christian Kracht heraushalten. Aber die Stoffgrundlage zwingt eine zumindest schelmische Beschäftigung mit dem anhaltenden Interesse am Mythos „Deutsche Südsee“ geradezu auf. Das gilt auch und gerade weil die heutige Rezeption des Sujets zwischen überkommenen Stereotypen und unvoreingenommen Einsichten der "neuen Kolonialgeschichte", der "post-colonial-history" sowie der allgemeinen Kultur- und Sozialgeschichte osziliert und völlig uneinheitlich ist.[1] Und dann brachte der Spiegel auch noch eine kurze Reportage über einen unbekleideten Japaner, der seinen wohlverdienten Ruhestand unter tropischer Inselsonne im Freien verbringt! Wegen all der schönen Assoziationen aus dem Bilderkreis von Sonnenbrand, Kokosnuss und dem Rilkeschen Imperativ: "Du musst dein Leben ändern", sei hier noch einmal eine faszinierend-befremdliche Facette deutscher Kolonialgeschichte nacherzählt, die nur wegen der jüngst wieder intensiv diskutierten Zustimmung Bismarcks zum deutschem Kolonialerwerb möglich wurde. Und sich dann zwei Jahrzehnte nirgendwo anders als auf einer Insel der "Neulauenburggruppe" ereignete und ihren wichtigsten Protagonisten mehrfach in das Bezirkskrankenhaus von "Herbertshöhe" brachte! Detailliert beschrieben hat den einzigartigen (Kokos-)Holzweg in eine leuchtende Zukunft der Wuppertaler Dieter Klein.[2] Golf Dornseif, ein weiterer Kenner der Vita des Nürnberger Exzentrikers August Engelhardt, hat eine anregend illustrierte Beschreibung der kokovorischen Irrungen und Wirrungen Engelhardts verfaßt, die online nachzulesen ist.
Als erster war jedoch Dieter Klein auf Engelhardts melanesischen Lebensabschnitt aufmerksam geworden. Er war aus philatelistischer Sicht zunächst fasziniert von einer für 25 DM erstandenen Postkarte aus dem Jahr 1904, auf der ein unbekannter Ausgewanderter aus der Südsee nach Deutschland schrieb: "Wir leben hier permanent nackt und genießen fast nur Früchte, vor allem die heilige Kokosnuß. Was sind die Städte: Friedhöfe des Glücks und Lebens, gegen mein palmengeschmücktes, ozeanumbraustes, sonnendurchglühtes Eiland?"[3] Im Laufe seiner Recherchen verwoben sich einzelne Fäden zu einem merkwürdigen Knäuel, das im Tod des tragischen Helden auf seiner Sonneninsel mündete. Begonnen hatte das Abenteuer Engelhardts im Jahr 1902, als der aus Nürnberg stammende Aussteiger mit pharmazeutischen Kenntnissen in die Südsee aufbrach. Schon zu diesem Zeitpunkt voller lebensreformerischer Ideen von befreiender Nacktheit und heilender Fleischlosigkeit kaufte Engelhardt eine Kokos-Plantage auf der Insel Kabakon. Das Eiland gehörte zum Bismarckarchipel, die nächst größere Insel hieß nach dem seit 1871 teilweise in Bismarckschem Besitz befindlichen, ehemals dänischen Herzogtum "Neu-Lauenburg". Schon in den ersten Monaten der Ankunft und des Einrichtens in seinem Tropenparadies beargwöhnten ihn seine deutschen Mitbürger in der Kolonie. Engelhardt kümmerte sich wenig bis gar nicht um die Plantage, sondern verbrachte seine Tage leicht- bis unbekleidet mit süßem Nichtstun. Außer Kokosnüssen nahm der fränkische Asket nichts zu sich und die Mangelernährung ließ sein erhitztes Philosophieren schon bald zum reinsten Irrlichtern werden. Tropenprofis in seiner Nachbarschaft zweifelten schon früh an seinen Geisteskräften: "In zwei Jahren landet der Mann im Irrenhaus, wenn er so weiter lebt [...]", urteilte etwa der deutsche Regierungsarzt Dempwolff ahnungsvoll. Engelhardts schriftliche Auslassungen aus dieser Zeit zeigten in der Folge, wie recht der kaiserliche Schulmediziner hatte. Die später bei Engelhardt diagnostizierte unheilbare Paranoia kündigte sich bald mit Macht an, als der Sonderling seine Lehre des Kokovorismus entwickelte. Nach der war die am weitesten der Sonne entgegengereckt wachsende Kokosnuss die alleinseligmachende Nahrungsquelle für den Menschen, ihr anti-solares Gegenstück, die Kartoffel, brachte hingegen Verderben. Außer der Nussnahrung gehörten aber noch mehr Ingredienzien zum kokovorischen Heilsbrei. Der normale Nahrungsweg über den Magen war für Engelhardt eine unreine Illusion, vielmehr ernähre sich der Mensch von Sonnenkraft, die über die Haarwurzeln aufgenommen werde. Engelhardts Credo war bestechend einfach: "Nackter Kokovorismus ist Gottes Wille. Die reine Kokosdiät macht unsterblich und vereinigt mit Gott."[4] Das Tragen von Kopfbedeckungen war für ihn daher ein unhaltbarer Frevel. Die Folgen aus diesem Bekleidungs-Leichtsinn, gepaart mit der ernährungsphysiologisch-fatalen Kokosdiät und seinen mitgebrachten religiös-lebensreformerischen Idealen schufen einen Geistes- und Bewußtseinszustand, der tödlich enden sollte. Und zwar nicht nur für Engelhardt selbst. Sein Sendungsdrang lockte bald Nachahmer an, die den Vollmundigkeiten in den Anzeigen Engelhardts in diversen lebensreformerischen Zeitschriften vertrauten. In dem breiten Spektrum der gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstehenden Lebensreformbewegung(en) kreierte Engelhardt mit seinem vegetarischen Nudismus à la Kabakon eine neue Spielart aus Freikörperkultur und Ernährungsreform.[5] Zum naturnahen Nacktsein und der pflanzlichen Ernährung, zwei wichtigen Säulen des Reformgebäudes [6], kam noch des Hauch des Exotismus durch die Umsetzung der Ideen unter der Sonne der Tropen. Engelhardts Robinsonade auf der seit dem 19. Mai 1885 zum neuen "Bismarckarchipel" gehörenden Insel Kabakon [7] endete also bald mit der Ankunft der ersten vom ihm geworbenen Sonnenanbeter. Der erste Kokosjünger stammte zwar von einer Insel, war den sonstigen Bedingungen auf Kabakon aber offenbar nicht gewachsen: Sechs Wochen nach seiner Ankunft war der 24jährige Helgoländer tot. Engelhardt konnte das aber nicht irre machen. Sein nächster Kommunarde war ein zeitgenössischer Prominenter. Den Kapellmeister, Klavier- und Geigenvirtuose Max Lützow führte eine Sinnsuche nach Kabakon und noch nach zwei Monaten war er restlos begeistert. Seine idealisierten Beschreibungen des Eilands in der "Vegetarischen Warte" verfehlten ihre Wirkung nicht: Engelhardts Insel wurde das Ziel etlicher Aussteiger mit fleischlosen Outdoor-Gelüsten. Allerdings hielten die Wunschvorstellungen von einem harmonischen Leben in einer tropischen Urgemeinschaft den Realitäten auf Kabakon nicht stand. Enttäuscht, ausgezehrt und krank verließ ein Kokovore nach dem anderen die Insel. Zuletzt war im Februar 1905 auch Lützow so malade, dass er fluchtartig die Insel verließ. Zu seinem Unglück geriet er mit seinem Segelboot in einen Monsunsturm, kenterte und verstarb kurz nach seiner Rettung.
Hippies avant la lettre: August Bethmann, unbekannte Kokovorin (die Braut Bethmanns?) und August Engelhardt unter einer Kokospalme auf Kabakon 1906 (aus: Hiery, Die Deutsche Südsee, s. Anm. 2)
Engelhardt selbst blieb eisern und kaute weiter Fruchtfleisch. Und das Schicksal schien ihm mit der Ankunft August Bethmanns zunächst recht zu geben. Der Naturschriftsteller war ein alter Bekannter des Sonnenapostels und rührte nun gemeinsam mit diesem die Werbetrommel. Als Engelhardts abgemagerter Körper zunehmend einen Zustand Transzendenz erreichte - er wog bei 1,66 m Körpergröße gerade noch 39 Kilo, wurde es Bethmann bange und er zwang seine missionarischen Freund zur Einlieferung ins Krankenhaus in Herbertshöhe. Die Ärzte hatten zunächst wenig Hoffnung, päppelten den Krätze- und wohl auch Leprakranken aber mit Medizin und Fleischbrühe wieder auf. Kaum konnte der Patient aber wieder auf eigenen Beinen stehen, verließ er das Hospital und beschimpfte seine Retter wegen angebllicher Mordversuche durch die Gabe von nichtpflanzlicher Nahrung. Selbst der Kokovore Bethmann wollte seinen wirren Meister nun nicht mehr um sich haben und entschloß sich Kabakon zu verlassen. Im Juni 1906 konnte er diesen Plan aber nicht mehr umsetzen, denn er starb noch auf der Insel. Dieter Klein berichtet von einem Gewalthintergrund, Engelhardt soll in heftigen Streit mit Bethmann geraten sein, bei dem es nicht nur um die kokovoren Ideale, sondern auch um Bethmanns weibliche Begleitung gegangen sein soll. Erneut blieb Engelhardt bei seinen Plänen, konnte aber keine neuen Jünger mehr zum Verlassen Europas bewegen. 1909 gab er den Orden auf, stellte zur Bewirtschaftung der Plantage einen geschäftsführenden Teilhaber ein und wirkte fortan als Privatgelehrter. Der selbsternannte Philosoph war in Deutschland in der Zwischenzeit eine Bekanntheit geworden und die (wenigen) Südseereisenden machten nun gelegentlich einen Abstecher nach Kabakon, um den merkwürdigen Heiligen zu sehen. Im Ersten Weltkrieg war er kurzzeitig interniert, konnte sich dann aber - längst nicht mehr Eigentümer der Plantage - auf Kabakon botanischen Studien widmen. Diese blieben auf Laienniveau und waren von vornherein wohl nicht biologisch- oder pharmazeutisch-wissenschaftlich motiviert, sondern speisten sich aus Engelhardts übersinnlicher Suche nach unbekannten Heilkräften. Diese scheint er nicht gefunden zu haben, denn im Mai 1919 starben kurz nacheinander Engelhardt und sein Teilhaber. Der letzte Besitzer der Planatge warf den größtenTeil des Engelhardtschen Besitzes ins Meer. Bei Christian Kracht lebt der Kokophage (Kokosesser) noch weiter bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg weiter. Er erlebt das Ende des europäischen, nicht nur des deutschen Kolonialismus und man fragt sich in einem Hang zu kontrafaktischer Geschichtsschreibung, wie der mittlerweile 80jährige ehemalige Nürnberger Apotheker die Welt dann wohl gesehen hätte. Nach einer Million verzehrter Kokosnüsse und fünf Jahrzehnten höchster Luxdosen auf das ungeschützte Haupt... Stoff für das Weiterspinnen seines Lebens drängt sich gerade zu auf, so dass Krachts Roman nicht der letzte sein wird [8], der sich mit diesem Exzentriker beschäftigt. [1] Siehe zu erstem etwa den maßlos überzogenen Verriss des Krachtschen Romans durch Georg Diez, Die Methode Kracht, in: Der Spiegel 7 (2012), S. 100 - 103. Partei für Kracht nimmt Cornelius Tittel, Wie man aus Christian Kracht einen Nazi macht, in: Die Welt vom 17. Februar 2012, ein. Abgewogen urteilt auch Christopher Schmidt, Die Ritter der Kokosnuss, in: Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2012, S. 11. [2] Vgl. Dieter Klein, Neuguinea als deutsches Utopia: August Engelhardt und sein Sonnenorden, in: Hermann Joseph Hiery (Hrsg.), Die deutsche Südsee 1884 - 1914. Ein Handbuch, Paderborn u.a. 2001, S. 450 - 458. [3] Zitiert nach Jan Grossarth, Die Retter des Kokosnuss, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Juli 2009. [4] Dieter Klein, Neuguinea als deutsches Utopia, wie Anm. 2, S. 452. Zu Engelhardts Sonnensekte s. weiterhin Susanne Leinemann, Der Orden der Fruchtesser, in: mare. 83 (Dezember 2010/ Januar 2011); oder Karl Baumann, Art.: Engelhardt, August, in: Biographisches Handbuch Deutsch-Neuguinea 1882-1922, 3. Aufl. Fassberg 2009, S. 123-125. [5] Vgl. dazu Uwe Schneider, Nacktkultur im Kaisereich, in: Uwe Puschner u. a. (Hrsg.), Handbuch zur "völkischen Bewegung" 1871 - 1918, München 1996, S. 409 - 435; Ralf Koerber, Freikörperkultur, in: Diethart Kerbs/Jürgen Reulecke (Hrsg.), Handbuch der deutschen Reformbewegungen, Wuppertal 1998, S. 103 - 114; Judith Baumgartner, Ernährungsreform, in: ebd., S. 115 - 126; Dies., Vegetarsimus, in: ebd., S. 127 - 139. [6] Vgl. zum Nudismus um 1900 etwa die einschlägigen Darstellungen von Michael Andritzky/Thomas Rautenberg, "Wir sind nackt und nennen uns Du". Von Lichtfreunden und Sonnenkämpfern. Eine Geschichte der Freikörperkultur, Gießen 1989; Freikörperkultur und Lebenswelt . "Studien zur Vor- und Frühgeschichte der Freikörperkultur", Kassel 1999; Giselher Spitzer, Der deutsche Naturismus. Idee und Entwicklung einer volkserzieherischen Bewegung im Schnittfeld von Lebensreform, Sport und Politik, Diss. Ahrensburg 1983. [7] Engelhardts "Kabakon", das außer von ihm von 40 bis 50 Melanesiern bewohnt wurde, lag als kleine Insel neben der zuvor und seit 1918 wieder "Duke-of-York"-Insel genannten Insel "Neu-Lauenburg". Die übrigen zum Bismarck-Archipel gehörenden Hauptinseln waren "Neumecklenburg" und "Neupommern". Vgl. Horst Gründer, Die historischen und politischen Voraussetzungen des deutschen Kolonialismus, in: Hermann Joseph Hiery (Hrsg.), Die deutsche Südsee 1884 - 1914. Ein Handbuch, Paderborn u.a. 2001, S. 45. [8] Ein halbes Jahr vor Christian Kracht, Imperium, Köln 2012, erschien eine nicht minder lesenswerte literarische Bearbeitung des faszinierenden Stoffes: Marc Buhl, Das abenteuerliche Leben des August Engelhardt, Frankfurt a. M. 2011
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Exponat des Monats
Donnerstag, den 26. April 2012 um 15:19 Uhr
Was gibt's denn da zu feiern? Bismarck 2015Große Ereignisse werfen ihre Schatten stets weit voraus. So ist es denn kein Wunder, dass in unserer Stiftung in Friedrichsruh und Schönhausen seit geraumer Zeit über Projekte zum Jubiläumsjahr 2015 nachgedacht wird, in dem sich der Geburtstag Bismarcks 200mal jährt. Über diese Vorüberlegungen möchten die Mitarbeiter der Stiftung nun erstmals eine breitere Öffentlichkeit informieren. Die Stiftung lädt daher alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Region zu einer Matinee unter dem Titel "Was gibt's denn da zu feiern? Bismarck 2015" ein. Beginn der Veranstaltung am Sonntag, den 29. April, ist um 11 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei! Das Bild zeigt etwa 5.000 deutsche Studenten, die aus Anlass des 80. Geburtstages Bismarcks am 1. April 1895 zu einer sogenannten "Huldigungsfahrt" nach Friedrichsruh pilgerten. Tempi per fortuna passati...
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Donnerstag, den 19. April 2012 um 08:00 Uhr
Vortrag über den verarmten preußischen LandadelDer Adel bleibt in der Vorstellungswelt vieler Menschen bis heute verbunden mit großem Vermögen, ausschweifendem Lebensstil und großem gesellschaftlichen Einfluss. Doch bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert ging die Bedeutung des Adels mehr und mehr zurück. Französische Revolution, Adelskritik der Spätaufklärung, Industrialisierung und Verstädterung trafen gerade den niederen Adel schwer. Nicht alle adeligen Familien hielten mit den großen Umwälzungen der Zeit Schritt und gerieten in existenzielle Krisen, die spätestens im Deutschen Kaiserreich nicht selten in Verarmung endeten. Über diesen eher unbekannten Aspekt der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts referiert der Tübinger Professor Dr. Ewald Frie in einem Vortrag unter dem Titel "Der preußische verarmte Adel im Deutschen Kaiserreich" am heutigen Donnerstag, den 19. April, um 19.30 Uhr, in den Räumen der Stiftung, Am Bahnhof 2, in Friedrichsruh. Der Eintritt ist wie immer frei!
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Freitag, den 13. April 2012 um 05:30 Uhr
Noch einmal: Das Schulheft des KaisersBereits im vergangenen Dezember stellte Dr. Ulf Morgenstern, wissenschaftlicher Mitarbeiter unserer Stiftung, einen bemerkenswerten Fund der Öffentlichkeit vor, der den Blick auf die Jugend Prinz Wilhelms von Preußen, des späteren letzten deutschen Kaisers, schärfen hilft: Ein Aufsatzheft aus seiner Schulzeit in Kassel. Über die Umstände der Entdeckung und deren historisch-kritische Essenz berichtet nun auch das Hamburger Abendblatt ausführlich, und zwar hier. Noch mehr erfahren Sie im jüngst erschienenen Heft 41 unserer kleinen Schriftenreihe "Friedrichsruher Beiträge" (siehe Abbildung), die Sie zum Preis von 3,50 Euro bei der Stiftung erwerben können.
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Donnerstag, den 29. März 2012 um 12:08 Uhr
Vortrag "Vom Nutzen der Geschichte"Seit der Entstehung der modernen Geschichtswissenschaften im 19. Jahrhundert wurde die historische Forschung immer wieder zum Schauplatz gesellschaftlicher Debatten, die zum Teil weit über den engen Kreis der Wissenschaftler hinausreichten. Woher kommen wir und lassen sich daraus Rückschlusse ziehen, was wir sind und wohin wir gehen? Das sind Fragen, die weit über den Horizont des akademischen Elfenbeinturmes hinausgehen und in die Gesellschaft hineinwirken. Doch immer stärker wird dabei die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte hinterfragt, die immer mehr publiziert, aber in der Öffentlichkeit immer weniger wahrgenommen wird. Im 2. Hamburger Bismarck-Vortrag der Otto-von-Bismarck-Stiftung widmet sich der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, Prof. Dr. Andreas Wirsching unter dem Titel "Vom Nutzen der Geschichte" der Frage, warum die historisch-kritische Auseinandersetzung mit der Auseinandersetzung auch weiterhin lohnt, auch und gerade vor dem Hintergrund von zunehmenden Kosten-Nutzen-Debatten. Der Vortrag findet statt am 30. März 2012 im Warburg-Haus, Heilwigstraße 116, 20249 Hamburg, um 19.00 Uhr. Der Eintritt zu dieser Sonderveranstaltung der Stiftung ist wie immer frei.
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Montag, den 19. März 2012 um 10:44 Uhr
Vortrag über die Ikonographie der AbdankungDas lange 19. Jahrhundert in Europa war von Monarchien geprägt. In diesem weitgehend auf Erbrecht gegründeten Herrschaftssystem war der erzwungene oder freiwillige Verzicht auf den Thron die immer wieder Aufsehen erregende Ausnahme. In Deutschland besonders bekannt ist der Fall des letzten Kaisers Wilhelms II. am Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Welche Motive standen hinter den Abdankungen? Wie wurden sie inszeniert und wie wirkten sie auf die Öffentlichkeit? Diesen und weiteren Fragen widmet sich der Leipziger Kunsthistoriker Prof. Dr. Martin Schieder in einem Vortrag in den Räumen der Otto-von-Bismarck-Stiftung. Die Veranstaltung am Donnerstag, den 22. März 2012 beginnt um 19.30 Uhr im Stiftungsgebäude, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh. Der Eintritt ist wie immer frei.
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Donnerstag, den 23. Februar 2012 um 06:55 Uhr
Kunst am (Bismarck-)TurmBismarcktürme zählen zu den sichtbarsten steinernen Zeugnissen des Bismarck-Mythos im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert. Viele dieser Denkmäler haben sich bis heute erhalten, nicht selten in Vergessenheit geraten, bisweilen aber auch wieder genutzt - vor allem als Ausflugs- und Aussichtspunkt. Mehr über diese Objekte finden Sie im Netz zum Beispiel auf dieser informativen Seite. Der Lichtkünstler Oliver Bienkowski aus Neuss nutzte die 1901 errichtete Bismarcksäule im schönen Augsburg für eine Installation. Schön!
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Mittwoch, den 15. Februar 2012 um 09:37 Uhr
Vortrag über Eupen und Malmedy im "langen 19. Jahrhundert"Am morgigen Donnerstag, den 16. Februar 2012, um 19.30 Uhr, lädt die Stiftung herzlich zu einem Vortrag über die gerade in unserer Region nur wenig bekannte Geschichte der rheinpreußischen Grenzkreise Eupen und Malmedy ein. Unter dem Titel ""An den äußersten Westmarken der vaterländischen Sache dienen": Die rheinpreußischen Grenzkreise Eupen und Malmedy 1815-1914" referiert der am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn tätige Volkskundler Dr. Sebastian Scharte, der über dieses Thema 2008 an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster promovierte. In seinem Vortrag gibt Scharte einen Einblick in die preußischen Jahre der über einen langen Zeitraum hinweg umstrittenen, heute zu Belgien gehörenden Kreise. Wie wurde das Grenzland von außen, durch Reisende und Gäste wahrgenommen? Deutsch? Belgisch? Preußisch? Aus den willkürlichen Grenzen des frühen 19. Jahrhunderts waren am Vorabend des Ersten Weltkrieges mentale Schranken geworden. Scharte geht dabei insbesondere der Frage nach, wie die Menschen, die 1815 zu Preußen, 105 Jahre später jedoch bereits zu Belgiern wurden, diesen Staatenwechsel empfunfen haben und wie bei ihnen der Prozess der Nationalisierung verlief, der die Grenzregion und ihre Bewohner bis heute prägt. Wie empfanden und beschrieben Besucher der heutigen deutschsprachigen Gemeinschaft vor mehr als einem Jahrhundert das Deutsch-Werden und Deutsch-Sein der Ostbelgier? Der Eintritt zu dieser - von Lichtbildern begleiteten - Veranstaltung in den Räumen der Stiftung, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh, ist wie immer frei!
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